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November 08 2011
Mal schnell den Schampus kaltstellen: Berlusconis Rücktritt ...
Ryanair Italien hat eine neue Werbekampagne. Sie bieten ...
"Fortunately for some (and not so fortunately for others), the human nose can capture and..."
- What’s that fatty odor?
November 05 2011
November 04 2011
November 03 2011
Camarasaurus lentus skull at the Smithsonian museum of Natural History; Creative Commons, va Wikimedia Commons [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Camarasaurus_lentus.jpg]
Spätestens das Buch Jurassic Park (zu deutsch: DinoPark) - das wiederum stark von den Arbeiten der Paläontologen John Horner und Robert Bakker inspiriert war - hat uns gezeigt, dass man mit einer guten Portion Fantasie eine Menge Annahmen über das Verhalten der Dinosaurier machen kann. Zum Beispiel darüber, dass sie wie Zugvögel jahreszeitlich gewandert sind. Diese Annahmen, selbst wenn sie plausibel (zum Beispiel durch Analogien zu Vögeln, ihren engsten lebenden Verwandten) begründbar sind, zu beweisen, ist dann aber ein ganz anderes Problem: Verhalten wird nicht einfach so versteinert wie Knochen oder Trittspuren. Und trotzdem kann die Wissenschaft hier eine ganze Menge aus Fossilien und Gesteinsspuren erfahren - nicht zuletzt dank eines Sauerstoffisotops, das sich im Boden ebenso wie in den Zähnen fossil erhalten hat und das Rückschlüsse auf Temperaturen und Höhenlagen geben kann. Wie, das erklärt uns Martin Bäker:
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Aktueller Aufguss des alten Polit-Mems mit dem Tschernobyl-Milchpulver: ...
A Japanese lawmaker has drunk a glass of water taken from a radioactive puddle inside a reactor building at the stricken Fukushima nuclear plant in a bid to prove decontamination efforts are working.Wenig überraschend sah er wohl eher nervös aus dabei.
Update: Es gibt ein Youtube-Video davon!
Jeans: Umweltschutz am A... [Geograffitico]
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Wissenschaft im Einkaufszentrum [ErklärFix]
Neulich bin ich im Einkaufszentrum beim Vorbeigehen auf eine sehr empfehlenswerte Ausstellung gestoßen:
Marum
Wie die alte Weisheit schon sagt, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt die Wissenschaft zum Bürger. Sehr viele Angebote, bei denen Wissenschaft verständlich erklärt und dem nicht-Experten schmackhaft gemacht werden soll, leiden unter einem ganz wesentlichen Problem: Die interessierte Zielgruppe - die Bürger, die Schüler, die Patienten, die Kunden, wer auch immer sich eigentlich nicht freiwillig mit den komplexen, ihm eigentlich fremden Themen beschäftigen soll - muss erstmal das Angebot wahrnehmen. Er muss irgendwie davon erfahren UND dann auch noch in die Uni, das Unternehmen, das Museum, das Science Center oder welche Lokalität auch immer kommen.
Hier macht der Absender das anders, er kommt dahin, wo der normale Bürger, der nicht-Experte sich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit aufhält, in ein Einkaufszentrum. Die Fußgängerzone würde ähnlich praktisch sein, hier wird nachts aber nicht abgeschlossen und auch das Wetter wird u.U. wenig hilfreich sein. Mehrere Stände wurden aufwendig konzipiert und attraktiv umgesetzt. Zu verschiedenen Themen kann sich der Gast im Vorbeigehen mal eben informieren. Findet das Angebot sein Interesse, verweilt er vielleicht auch noch an den anderen Ständen und informiert sich. Mich hat der erste Stand direkt überzeugt, sodass ich mir ganz bewusst auch den Rest der Wander-Ausstellung angeguckt habe.
In mehreren großen runden Becken tummelten sich ein paar Krebse, Miesmuscheln, Algen und Seesterne. Für Norddeutsche und erfahrene Küstenurlauber vermutlich kalter Kaffee. Dennoch haben sicherlich nicht wenige Kinder noch nie aus einer solchen Nähe einen gemeinen Krebs in Ruhe beobachten können. Bei den Erwachsenen traue ich mir keine Vermutung zu, die Erfolgsquoten von diversen TV-Formaten lassen jedoch ähnliches erahnen.
Ich kann das Projekt nur empfehlen. Hier geht es zu den Tourdaten. Den Vulkan mit Schaum fand ich nicht ganz so prickelnd, aber Geschmack ist Bandbreite.
Nein, ich habe dieses Projekt nicht konzipiert und bekomme hierfür kein Geld. (Ich habe zwar ein vergleichbares Konzept erstellt, das aber leider nie realisiert wurde)
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Sauerstoff als Zeitmaschine: Die Wanderung der Saurier [Hier wohnen Drachen]
Hier mal als Beispiel ein Camarasaurus, ein typischer Vertreter der Sauropoden und im oberen Jura von Nordamerika ein ziemlich häufiger Geselle:
Vermutlich lebten diese Saurier in Herden, was den Nahrungsbedarf entsprechend steigert. Man kann sich also vorstellen, wie Herden von Camarasauriern so wie die heutigen Gnus durch die Flussauen (floodplains) zogen und alles futterten, was halbwegs grün war.
Da gibt es nur ein klitzekleines Problem: Das Klima in den Flussauen der Morrison-Formation im nordamerikanischen Oberjura hatte jahreszeitliche Trockenphasen. Während der Trockenheit dürfte es für große Sauropoden ziemlich schwierig gewesen sein, genügend Wasser und Nahrung zu finden, vor allem, wenn sie auch noch in Herden lebten.
Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass sie das Problem auf die gleiche Weise gelöst haben wie viele heutige Tiere: Durch Wanderungen.
Eine solche Zeitmaschine haben amerikanische PaläontologInnen jetzt erfunden, oder besser gesagt, gefunden. Nein, nicht so eine:
sondern so eine:

Was ihr hier seht ist ein Wassermolekül. Wasser besteht bekanntlich aus zwei Wasserstoffatomen (deswegen heißt es ja auch "Wasser"...) und einem Sauerstoffatom (was eigentlich komisch ist, weil Wasser ja gar nicht sauer ist), die chemische Formel ist bekanntlich H2O.
Nicht alle Sauerstoffatome sind aber gleich, einige sind gleicher schwerer als andere. Sauerstoff gibt es in verschiedenen Varianten, so genannten Isotopen. Die unterscheiden sich chemisch nicht, sondern nur in der Zahl der Neutronen im Atomkern. Im handelsüblichen Sauerstoff kommt auf jedes der 8 Protonen im Atomkern ein Neutron, macht insgesamt 16 Kernbausteine. Deswegen nennt man dieses Isotop auch Sauerstoff-16, oder kurz 16O.
Es gibt aber auch eine Variante mit zwei "überzähligen" Neutronen, Sauerstoff-18 oder 18O. (Die dritte Variante 17O interessiert uns hier nicht.) Diese ist, wie gesagt, chemisch identisch, nur wegen der beiden Extra-Neutronen etwas schwerer.
Einem Wassermolekül ist es ziemlich egal, ob es ein 16O oder ein 18O enthält - solange die beiden Wasserstoffatome einen Sauerstoffpartner haben, sind sie zufrieden.
Physikalisch allerdings unterscheidet sich ein Wassermolekül mit 16O von einem mit 18O, weil das mit dem 18O so etwa 10% schwerer ist. Und das macht sich manchmal bemerkbar, beispielsweise, wenn Wasser verdunstet. Die "leichtere" Wasservariante verdunstet etwas schneller. Misst man das Verhältnis der beiden Sauerstoffisotope im Wasser, kann man deshalb Rückschlüsse auf die Temperatur ziehen. Das macht man beispielsweise mit Eisbohrkernen aus arktischen Regionen, um das Klima in der Vergangenheit zu erforschen.
Eis aus dem Jura haben wir aber nicht - was sollen uns also die Isotope im Wasser nützen? Nun, wir haben zwar kein Eis, aber wir haben etwas, das fast so gut ist: Kalziumkarbonat. Kohlendioxid (CO2) kann in Wasser gelöst werden und Kalziumkarbonat CaCO3 bilden - eins der drei Sauerstoffmoleküle im Kalziumkarbonat kommt dabei aus dem Wasser.
Anhand von Kalziumkarbonat in Sedimentgesteinen aus der Morrisonformation kann man also etwas über das damalige Verhältnis der Sauerstoffisotope und damit über die dortige Temperatur herausfinden.
Aber wie hilft uns das nun bei der Saurierwanderung?
Saurier müssen - wie die meisten Tiere - auch Wasser trinken. Und die Sauerstoffatome des Wassers werden dabei in ihren Körper eingebaut, beispielsweise in die Zähne. Schaut man sich also das Verhältnis von 16O und 18O in den Saurierzähnen an, so kann man auch daraus etwas über das Klima lernen, in dem sie gelebt haben. Und wenn die Saurier in der Morrison-Formation gelebt haben, dann sollte das Verhältnis dem Verhältnis entsprechen, das wir in den Sedimenten finden.
Raffiniert, oder? Die Raffinesse geht aber noch weiter. Zähne wachsen ja recht langsam. Der Sauerstoff im Zahnschmelz spiegelt deshalb sozusagen die Geschichte des Dinosauriers wieder - in den "neueren" Bereichen des Zahns findet sich das Verhältnis, das kurz vorm Tod des Dinos aktuell war, in den älteren Bereichen des Zahns dagegen das Verhältnis, dem er einige Monate vor seinem Tod ausgesetzt war. (Anders als bei uns wachsen Saurierzähne ja immer wieder nach - jahrzehntealte Zähne wird man deshalb in einem Sauriermaul nicht finden.)
Hier eine Skizze (aus dem paper) eines Sauropodenzahns:

Links seht ihr die Krone, rechts die Wurzel. Falls ihr euch wundert, dass die Zahnkrone den ältesten Zahnschmelz enthalten soll und die Wurzel den jüngsten: Das ist bei Zähnen so. Die wachsen ausgehend von der Stelle, die später mal die Spitze des Zahns werden soll. Diese Grafik hier zeigt das sehr schön für einen menschlichen Zahn

Ihr seht, dass die Stelle, die später die Krone wird, als erste da ist, die Wurzel wird als letztes angebaut. Die weiteren Details erspare ich uns hier - wenn ihr dem Link oben folgt, könnt ihr euch über Zahnentwicklung schlaulesen.
Man muss sich also das Verhältnis der Sauerstoffisotope an unterschiedlichen Stellen des Saurierzahns angucken und kann daraus Rückschlüsse darauf ziehen, welche Wassertemperatur im Trinkwasser so etwa geherrscht hat, als er diesen Teil des Zahns aufgebaut hat.
Und das hier kommt dabei raus (für unterschiedliche Zähne desselben Dinos):
Der älteste Teil (die Krone) des Zahns ist links im Bild, jüngere Teile rechts. Man erkennt deutlich, dass das Isotopenverhältnis sich ändert - 4-5 Monate vor seinem Tod wohnte der Camarasaurus noch in der Niederung, aber in den letzten Monaten hat sich das Verhältnis deutlich verschoben, was darauf hindeutet, dass er im einige Hundert Kilometer entfernten Hochland gelebt hat. (Die entsprechenden Gesteine aus den umliegenden Gegenden wurden auch untersucht und das gemessene Verhältnis passt gut zu den Hochlandregionen.)
Auf den ersten Blick überraschend ist, dass der untersuchte Zahn in der Morrison-Formation selbst gefunden wurde. Sollte dann nicht der gerade abgelagerte Teil des Zahns das hierzu passende Isotopenverhältnis haben, die Kurve also ganz rechts wieder nach oben gehen?
Nicht notwendigerweise. Zähne wachsen ja, wie gesagt, langsam. Es gibt eine Zeitverzögerung zwischen einer Änderung des Isotopenverhältnisses in der Nahrung und deren Entsprechung im Zahn. Die kennt man für Sauropoden natürlich nicht (dafür bräuchte man dann wohl doch den Delorean), aber bei heutigen Säugetieren beträgt sie einige Wochen. Wesentlich länger kann sie auch beim Camarasaurus nicht gewesen sein - wären es Monate, dann würde diese Verzögerung das Isotopensignal vollkommen verschmieren und unkenntlich machen. Es ist also zumindest plausibel, anzunehmen, dass der untersuchte Camarasaurus wenige Wochen vor seinem Tod noch im Hochland lebte und sich dann wieder in die Flussauen aufmachte, wo er dann umkam.
Seine Zähne und ziemlich viel wissenschaftliches Geschick verraten aber nach über 140 Millionen Jahren noch, wo er herumgetrieben hat.
Fricke, H., Hencecroth, J., & Hoerner, M. (2011). Lowland-upland migration of sauropod dinosaurs during the Late Jurassic epoch Nature DOI: 10.1038/nature10570
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November 02 2011
Tunisia recognizes the American Transitional National Council
"Unfortunately, mummified penises from this era are hard to come by."
- Piercing the Paleolithic Penis
Drittes Update zum Schultrojaner (1. Update)
Zwei Tage nach unserer ersten Berichterstattung über den sogenannten Schultrojaner (der eigentlich eine Schnüffelsoftware für unheimliche Onlinedurchsuchungen von Schulrechnern nach illegalen Kopien von Schulbüchern ist) gibt es erste Anfragen von Abgeordneten und Landtagsfraktionen und einige neue Pressemitteilungen von Politikern und Lehrerverbänden.
Auf unsere eMail-Anfragen an die Presseabteilungen verschiedener Kultusministerien haben wir bisher keinerlei Reaktion erhalten.
Der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling hat in Niedersachen seiner Regierung verschiedene Fragen in zwei kleinen Anfragen gestellt.
Die Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat gleich eine große Anfrage mit 26 Fragen an den Senat gestellt.
In Schleswig-Holstein hat wohl die SPD-Fraktion eine kleine Anfrage gestellt (da finde ich aber gerade den Link nicht mehr).
Und es gibt weitere Pressemitteilungen, diesmal u.a. von Lehrerverbänden.
Der Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) (vertritt nach eigenen Angaben als Gewerkschaft 140.000 Lehrer in Deutschland) erklärt in einer Pressemitteilung:
„Schulen kämpfen seit langen Jahren vergeblich um ausreichende Mittel für die Anschaffung von Schulbüchern, Arbeitsheften, CD, DVD im Original und sind deshalb auf Kopien aus aktuellen Werken angewiesen, wenn sie ihren Bildungsauftrag erfüllen wollen“, erklärt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann mit Blick auf die aktuelle Debatte über einen „Schultrojaner“. „Lehrerinnen und Lehrer lassen sich dafür nicht als mögliche Raubkopierer diskreditieren. Der VBE rät zu Dienst nach Vorschrift. Anstatt Material zu kopieren oder zu scannen eine Bestellliste an den Schulträger senden.“ Der VBE sei zudem gespannt, was die Datenschutzbeauftragten der Länder nach Prüfung der geplanten Software sagen werden.
Beckmann weiter: „Es ist mehr als eigenartig, dass ausgerechnet die Schulträger, die diese Misere verantworten, per Software nach Plagiaten suchen sollen. Hingegen ist bei den zur Verfügung gestellten Kosten-ansätzen für Unterrichtsmaterialien pro Schüler seit Mitte der 90er Jahre nichts Wesentliches passiert.“ Es sei kein Geheimnis, so Beckmann, dass es an Schulen oft veraltete Bücher oder unzureichende Klassensätze gebe, sodass oft aus Aktualitätsgründen kopiert werden müsse.
Der Lehrerverband DPhV fordert in einer Pressemitteilung die Annullierung der von uns kritisierten Paragraphen. Das ist möglich, da in dem Gesamtvertrag den einzelnen Partnern ein Kündigungsrecht zum Jahresende erlaubt wird. Hier ist die Meldung: Philologenverband fordert von den Kultusministern die Annullierung der “Schultrojaner-Vereinbarung”.
“Wir halten es für einen Skandal, dass vor Abschluss der Vereinbarung weder die zuständigen Datenschutzbeauftragten der Länder eingebunden wurden, noch die zum Einsatz kommende Software geprüft wurde. Während bei den so genannten ‘Staatstrojanern’ wenigstens Gerichtsbeschlüsse vorliegen müssen, soll an Schulen verdachtsunabhängig ermittelt werden. Wir hätten uns als Lehrergewerkschaft gewünscht, dass die Schulministerien im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht Lehrkräfte gegen solch einen Generalverdacht in Schutz nehmen!”, betonte der Verbandsvorsitzende. [...] Besonders bitter stößt dem Philologenverband auch der Abschnitt in dem Rahmenvertrag auf, der die Länder dazu verpflichtet, bei festgestellten Verstößen grundsätzlich gegen die betroffenen Lehrkräfte und Schulleitungen disziplinarrechtlich vorzugehen. “Damit vernachlässigen die Ministerien die ihnen obliegende Pflicht zur Einzelfallprüfung und verzichten zu Lasten der Beschäftigten auf den ihnen zustehenden Ermessensspielraum. Wir fordern eine sofortige Kündigung und Annullierung der entsprechenden Vereinbarungspassagen!”, bekräftigte der Verbandschef.
Die linke Bundestagsabgeordnete fordert in einer Pressemitteilung: Schultrojaner stoppen.
“Mit dem geplanten Schultrojaner soll nun eine anlassunabhängige Überwachung und Durchsuchung von Computern auch in Schulen Einzug halten. Damit werden alle Schüler und Lehrer unter einen Generalverdacht gestellt. Hiermit wird die Unterwerfung der Bildung unter den freien Markt zementiert und mit unverhältnismäßigen Methoden überwacht”, erklärt Halina Wawzyniak mit Blick auf die Debatte um den geplanten Einsatz eines sogenannten Schultrojaners zum Aufspüren von Urheberrechtsverletzungen an Schulen.
Update:
Verschiedene linke Bundestagsabgeordnete und die BAG Netzpolitik der Linken haben einen Fragekatalog gebloggt: Schultrojaner: die politische Seite.
Diesen können die Fraktionen der LINKEN in den Landtagen (gern auch die Fraktionen anderer Parteien) nutzen um ihre jeweiligen Landesregierungen nach Planungen und Einsatz des Schultrojaners befragen.
In Thüringen hat die linke Landtagsabgeordnete Katharina König eine Anfrage an ihre Regierung gestellt.
Wenn Journalisten auf Esoterik-Gurus reinfallen [Astrodicticum Simplex]
"Zwar ist die Skepsis darüber in der Gesellschaft nach wie vor beträchtlich, doch auch Größen aus Wissenschaft und Forschung, wie der deutsche Biophysiker Dieter Broers, schenken diesen Phänomenen Beachtung. Für Broers ist vieles davon längst kein esoterischer Humbug, sondern wissenschaftlich überprüft (siehe Interview). "
Dieter Broers, der Mann, der seinen Doktortitel (h.c.) (den er sich mittlerweile nicht mehr zu führen traut) von von der Rutherford-University in Wyoming verliehen bekam, einer degree mill, also eine nicht akkreditierte Einrichtung, die nicht berechtigt ist, echte akademische Titel zu vergeben? Dieter Broers, der Mann, der an keiner echten Forschungseinrichtung arbeitet sondern nur einem pompösen Verein mit dem Namen International Council of Scientific Development angehört? Dieter Broers, der Mann, der pseudowissenschaftlich-esoterische Bücher schreibt, die nicht das geringste mit echter Wissenschaft zu tun haben und voller Fehler stecken? Broers, der Mann, der sich mittlerweile vollends zum Esoterik-Guru gewandelt hat, und seine Gefolgschaft via Facebook zu "globalen Meditationen" aufruft, bei der "Energie-Felder der Liebe" aufgebaut werden sollen? Der soll eine "Größe aus Wissenschaft und Forschung" sein? Davon scheint zumindest Jelincic überzeugt zu sein und hat Broers auch gleich zu einem ausführlichen Interview gebeten. Hier darf er wieder seinen längst bekannten und längst widerlegten Unsinn erzählen. Zum Beispiel den vom Maximum der Sonnenaktivität im Jahr 2012:
"Die NASA gibt beispielsweise bekannt, dass das nächste Aktivitätsmaximum unserer Sonne im Jahr 2012 stattfinden und sich bis Mitte 2013 erstrecken wird."
Dass das nicht stimmt, habe ich hier in meinem Blog schon vor 2 Jahren erklärt. Das muss man aber nichtmal gelesen haben, es reicht ein Blick in die Wikipedia um zu sehen, dass das Aktivitätsmaximum erst Mitte 2013 stattfinden wird. Aber wenn man sein Geld mit dem angeblichen Weltuntergang 2012 verdient, ist es halt immer gut, diese Jahreszahl irgendwo unterzubringen, egal was die Fakten sagen.
Natürlich nutzt Broers die Gelegenheit, um seine "Theorie" vom Bewusstseinswandel durch Sonnenaktivität zu verbreiten. Wann hat man schon mal als Pseudowissenschaftler die Chance, seine Lehre in einer großen und "seriösen" Wochenzeitung verbreiten zu können?
"Forscher haben schon vor mehr als 20 Jahren herausgefunden, dass bestimmte elektromagnetische Felder mit bestimmten Bewusstseinslagen korrelieren. Um es vereinfacht zu sagen: die erhöhten Sonnenaktivitäten sind in der Lage, bei sehr vielen Menschen ein erweitertes Bewusstsein einzuleiten."
Die Broersche These vom Bewusstseinssprung habe ich hier vor einiger Zeit auch schon ganz detailliert betrachtet. In seiner Rolle als "Wissenschaftler" behauptet Broers ja gerne, Wissenschaftler hätten dieses und jenes herausgefunden und wirft mit den Namen von Universitäten und Literaturzitaten um such. Leider macht sich selten jemand die Mühe, das auch nachzuprüfen und zu schauen, ob das was Broers behauptet auch wirklich durch die Zitate gedeckt ist. Frau Jelincic hat das jedenfalls nicht gemacht, sonst hätte sie gemerkt, dass Broers Unsinn redet. Silvia Jelincic hat anscheinend überhaupt nicht recherchiert (auch der japanische Politikwissenschaftler und Esoterik-Guru Masaru Emoto wird von ihr als "preisgekrönter Forscher" vorgestellt, der herausfand, dass Wasser Gefühle speichern kann).
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie man so ein absolut unkritisches Interview mit einem Pseudowissenschaftler und Esoterik-Guru führen kann.
Möglichkeit 1: Man ist völlig naiv und hat jegliche Recherche komplett unterlassen. Komplett heißt hier wirklich komplett - selbst eine simple Google-Suche hätte schnell gezeigt, dass Broers keine "Größe aus Wissenschaft und Forschung" ist.
Möglichkeit 2: Man weiß ganz genau, wer Broers ist und was er tut und hat ihn mit voller Absicht interviewt.
Da Frau Jelincic ja anscheinend eine preisgekrönte Journalistin einer wichtigen österreichischen Wochenzeitung ist, scheidet Möglichkeit 1 vermutlich aus. Vermutlich glaubt sie selbst an den ganzen pseudowissenschaftlichen Kram von wegen Bewusstseinsänderung durch Sonnenaktivität und hat die Gelegenheit genutzt, dem Guru Broers ein bisschen Öffentlichkeit zu verschaffen. Dafür spricht auch ihr Artikel bei Vienna Online bei dem das Interview mit Broers nochmal verwertet wurde. Hier wird er als der "international bekannte deutsche Biophysiker" vorgestellt und die Einleitung endet mit den Worten:
"Ich habe beschlossen, mein Gespräch mit Broers hier einfließen zu lassen, weil es wichtig ist, dass wir verstehen, was mit der Welt - und mit uns - passiert. Bitte nehmt Euch Zeit! "
(In ihrer Kolumne bei Vienna Online hat sich Frau Jelincic übrigens auch als Anhängerin der 9/11-Verschwörungstheorie geoutet).
Warum regt es mich so auf, wenn da ein kleines, unkritisches Interview mit einem Pseudowissenschaftler geführt wird? Ist doch nicht so schlimm, oder? Doch, ist es. Solange Leute wie Broers ihre "Theorien" in den einschlägigen Esoterik-Medien, im Internet oder bei Vorträgen vor Gleichgesinnten verbreiten, ist das eine Sache. Wenn aber "große" Medien, wie das Format solche Leute plötzlich ernst nehmen, sie unterstützen und ihnen Glaubwürdigkeit verleihen, dann ist das eine andere ganz Sache. Wie soll man es den Menschen verübeln, wenn sie große Angst vor dem angeblichen Weltuntergang bzw. der großen Krise im nächsten Jahr haben, wenn diese Theorie doch von "Größen der Wissenschaft und Forschung" präsentiert werden, die immerhin so wichtig zu sein scheinen, dass sie in großen und seriösen Wochenzeitschriften als Experten interviewt werden? Wer keine große Ahnung vom Thema hat, aber den Artikel und das Interview mit Jelincic liest, wird nicht auf die Idee kommen, dass man es hier nicht mit einem echten, seriösen Wissenschaftler zu tun hat. Wer setzt sich schon hin, und recherchiert jeden Zeitungsartikel nach, den er liest. Die Recherche wäre der Job der Journalistin gewesen! Aber unkritische Interviews dieser Art helfen nicht nur, den Pseudowissenschaftler und Esoterikern mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen und die Gruppe derjenigen zu vergrößern, die auf ihre Masche und Angstmache reinfallen. Sie führen auch dazu, dass immer mehr Menschen ein völlig falsches Verständnis von echter Wissenschaft bekommen (und gerade Österreich hat hier Nachholbedarf). Dann braucht man sich auch nicht mehr zu wundern, wenn - wie der Artikel von Jelincic ja belegt - selbst die Top-Manager ihre Entscheidungen von Astrologen, Kartenlegern und Pendelschwingern treffen lassen.
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Abstimmung über Lobbykratie-Medaille und das Urheberrecht
Negativpreise haben Hochkonjunktur. Die österreichischen Big Brother Awards wurden gerade erst verliehen, da startet LobbyControl eine öffentliche Online-Abstimmung zur Vergabe der Lobbykratie-Medaille. Folgende Unternehmen stehen zur Auswahl:
Deutsche Vermögensberatung AG: Nominiert für die Lobbykratie-Medaille, weil sie PR-Texte als seriöses Lehrmaterial vermarktet und so Lobbyarbeit aus den Parlamenten in die Schulen verlagert. Mehr
Gauselmann AG: Nominiert, weil die Spielautomaten-Firma es geschafft hat, über eine Million Euro an Parteien zu überweisen, ohne in den Rechenschaftsberichten dieser Parteien aufzutauchen. Mehr
Bundesverband Medizintechnologie & Agentur Weber Shandwick: Nominiert, weil sie Patientenvertretungen für eine vermeintliche Graswurzelkampagne instrumentalisiert hat, um erfolgreich die Umsetzung einer Reform der Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln zu verhindern. Mehr
RWE & Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Nominiert, weil das Energierunternehmen RWE zwei Mitarbeiterstellen in einem Forschungsprojekt der Bundesanstalt finanziert hat, welches Vorschläge für ein verbindliches Regelwerk zum Einsatz der CCS-Technologie in Deutschland erarbeiten sollte. Mehr
Deutsche Bank & Josef Ackermann als Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF): nominiert, weil sie über einen privilegierten Zugang die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägten und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellten. Mehr
Vorbild für die Initiative in Deutschland ist der “Worst EU Lobbying Award” auf europäischer Ebene. Der Begriff “Lobbykratie” war übrigens zuletzt vor einem Jahr Thema in diesem Blog anlässlich einer 3sat-Dokumentation mit dem Titel “Lobbykratie – Die inoffizielle Macht“.
Das Video dieser Dokumentation ist jedoch – wie könnte es anders sein – auf YouTube nicht mehr verfügbar. Und zwar auf Grund von “mehreren Benachrichtigungen von Dritten über eine Urheberrechtsverletzung”. Laut YouTube gehört zu den Beschwerdeführern die “Deutsche Vermögensberatung AG” – also eines der für die Lobbykratie-Medaille nominierten Unternehmen. Wiedermal zeigt sich, dass urheberrechtliche Ansprüche dazu verwendet werden können, den Online-Zugang zu unliebsamer Berichterstattung einzuschränken.
November 01 2011
Na DAS ist ja mal wieder sou-ve-rän reagiert, liebe ...
City Lights Could Reveal Civilisations On Other Planets
Earth's biggest cities are visible from space at night thanks to street lighting. ET's probably are too, say astronomers

October 31 2011
Über die "Sprache der Vögel"
Wenn man sich auf die Suche nach Verhaltensähnlichkeiten zwischen Vogel und Mensch macht, so findet man einige erstaunliche Parallelen. Ein interessantes Beispiel dafür ist die Art und Weise wie Vögel und Menschen kommunizieren. Der Vogelgesang wusste schon immer den Menschen zu beeindrucken und vor allem auch zu inspirieren. In der Mythologie und der Literatur des Mittelalters betrachtete man die „Sprache der Vögel“ als eine magische, göttliche und perfektionierte Form der Sprache. Die Fähigkeit, die Sprache der Vögel zu verstehen galt als Zeichen großer Weisheit und zeugte von einer besonderen Verbundenheit mit einer Gottheit. Sie wurde auch...
Die Zivilisationsdecke ist dünn. Papstsatire? Klarer ...
Update: Uh, Wochen, nicht Monate.
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