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August 27 2010

Hildegard-Medizin: Da erschaudert der Teufel

“Posaune Gottes” ist ein Artikel im aktuellen Spiegel Geschichte über die Äbtissin Hildegard von Bingen überschrieben. In erster Linie gibt’s viel Biografie, erst gegen Ende einen kurzen Schwenk zur heutigen “Hildegard-Medizin”:

Beliebt ist indes heute noch die nach ihr benannte “Hildegard-Medizin”. Sie wurde 1970 von einem österreichischen Arzt erfolgreich herausgebracht; zumindest im Marketing stand der Mann der Namensgeberin nicht nach.
Der Würzburger Klostermediziner Mayer entdeckte allerdings frappante Widersprüche zum Original. Kurios sei etwa das propagierte ,Hildegard-Fasten’. Im ganzen Werk der Benediktinerin fand Mayer dazu nur einen Satz: ,Das Fasten sollst du nicht übertreiben.’”

In der Tat wäre es wohl angebrachter, von “Hertzka-Medizin” zu sprechen denn von “Hildegard-Medizin”. Gottfried Hertzka ist nämlich der Name jenes österreichischen Arztes, der gemeinsam mit dem deutschen Heilpraktiker Wighard Strehlow den Vertrieb eines Sammelsuriums an Pflanzenpräparaten, Edelsteinen, Nahrungsmittel, Kosmetika und sonstigen Bedarfsartikeln für “gesunde Lebensführung” unter dem Signet “Hildegard-Medizin” groß aufzog.

Mit den Schriften Hildegards hat dieser Versandhandel nur noch entfernt zu tun, desgleichen die Flut der Publikationen, die sich seit Mitte der 80er über den Buch´markt ergießt. Die Ratschläge und Rezepturen, die Hertzka und Strehlow in ihrer ,Großen Hildegard-Apotheke’ für sämtliche nur denkbaren Erkrankungen vorlegen, entbehren jedes seriösen Wirksamkeitsnachweises”,

warnt der Psychologe und Sachbuchautor Colin Goldner in seinem Buch “Die Psycho-Szene”. Weitere Kritik aus medizinischer und historischer Sicht zitiert die informative Wikipedia-Seite zum Thema. Auch das Stiftung-Warentest-Nachschlagewerk “Die andere Medizin – Alternative Heilmethoden für Sie bewertet” kommt zu dem Urteil:

Die Vermarktung des Namens Hildegard von Bingen und die Nutzung ihrer Schriften in einer Weise, die durch das Original kaum gedeckt ist, hat die wohl kenntnisreichsten Professoren dieser Materie zu einer öffentlichen Erklärung veranlasst: Die Versuche, eine durchaus berechtigte Naturheilkunde als ,Hildegard-Medizin’ in die ärztliche Praxis und den Bereich der Apotheke hineinzutragen, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Das gilt insbesondere für die Edelsteintherapie Hildegards, “die ihre Vorstellungen meist aus visionärer Schau bezog”, schrieb Bernd Friede im Skeptiker 1/2002:

Die dort postulierten Wirkungen religiöser Entitäten auf das physische Befinden spiegeln das mittelalterliche Konzept der Einheit von seelischem und körperlichem Zustand wider. So heißt es im vierte Buch ihres Werkes “Physica” (“Von den Steinen”): “Gott hat in die Edelsteine wunderbare Kräfte gelegt (…) All diese Kräfte finden ihre Existenz im Wissen Gottes (..) und stehen dem Menschen in seiner leiblichen wie geistigen Lebensnotwendigkeit bei. (…) Jeder Stein hat Feuer und Feuchtigkeit in sich (…) Sie dienen dem Menschen als Segen und Heilmittel (…) Daher werden die Edelsteine vom Teufel gemieden und es erschaudert ihn bei Tag und bei Nacht”.

Die Anwendung der Minerale ist bei Hildegard von Bingen mit alchimistischen Ritualen und Magie verknüpft: Achat, vor dem Zubettgehen in Kreuzform durch das Haus getragen, vertreibe Diebe. Über den Topas schreibt sie: “Wenn jemand Fieber hat, grabe er mit dem Topas drei kleinere Gruben in ein weiches Brot, gieße reinen Wein in dieselben (…) und betrachte sein Gesicht in dem Wein (…) und spreche: “‘Ich sehe mich an wie in dem Spiegel (…), auf dass Gott dieses Fieber von mir vertreibe”.”

Den GWUP-Themeneintrag zu “Edelsteintherapie – Kristallmedizin – Lithotherapie” finden Sie hier.

Zum Weiterlesen:

  • Werbung für Heilsteine unzulässig, wahrsagercheck.de am 3. April 2009
  • “Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?” Vortrag von Klaus Olschewski bei der 12. GWUP-Konferenz in Berlin

August 21 2010

Wasser und Esoterik

“Nachdenkliches Heilwasser” überschreibt Dr. Werner Bartens heute seine Rubrik “Medizin und Wahnsinn” in der Süddeutschen Zeitung. Darin erfahren wir auf gewohnt launige Weise von einem – leider nicht näher bezeichneten – Versuch in Dresden, “der dazu angetan war, zu zeigen, was wirklich im Wasser” steckt:

Es ging darum, welche Auswirkungen positive wie negative Gedanken auf das Wasser haben. Unter den Augenzeugen des Experiments wurde als bekannt vorausgesetzt, dass Wasser durch verschiedene Einflüsse wie Musikschwingungen, Gebete und Meditationen Informationen und Energien aufnehmen kann.
Der Versuchsaufbau kann nur als ausgeklügelt bezeichnet werden. Auf den ersten Wasserbehälter konnten die Kongressbesucher positive Gedanken projizieren. Um methodische Zweifel zu zerstreuen, gab es einen zweiten Wasserbehälter, auf den die Kongressbesucher negative Gedanken projizieren sollten. Als Clou muss das dritte Gefäß gelten. In diesem Behälter befand sich zur Kontrolle ,,neutrales’ Wasser, auf das keinerlei Gedanken projiziert werden sollten.
Der Ausgang des Versuchs ist unklar, vermutlich hat ein Saboteur fiese Gedanken an das neutrale Wasser gerichtet. Trotzdem sollte der Ansatz weiter verfolgt werden. In Wasserwerken tun sich neue Berufsfelder auf, damit künftig nicht nur Warm und Kalt aus der Leitung strömt, sondern auch ein Hahn für positives und negatives Wasser geöffnet werden kann.”

Das erinnert mich sogleich an eine Anfrage, die vergangene Woche an die Skeptiker erging. Und zwar nach einer gewissen Dr. Enza Maria Ciccolo, die ein ominöses “Lichtwasser” propagiert und damit anscheinend eine sektenartige Anhängerschaft begeistert. Leider habe ich zu der Dame bislang nicht mehr kritische Infos als diesen italienischen Blog finden können. Tipps und Hinweise sind sehr willkommen!

Dafür ist der GWUP-Themenbereich auf unserer Homepage soeben um den Eintrag “Wasserbehandlung” erweitert worden. Darin heißt es unter anderem:

Esoterische Verfahren sind oft mit Namen verbunden, etwa Johann Grander (Granderwasser), Wilfried Hacheney (levitiertes Wasser), Roland Plocher (revitalisiertes Wasser) oder Masaru Emoto (Wasserkristallformen). Charakteristisch für derartige Verfahren und entsprechende Geräte ist die Behauptung, dass sie das Wasser durch Übertragung nicht näher spezifizierter Informationen, Schwingungen oder Energien verändern. Angeblich geschieht dies ohne chemische Zusätze, elektromagnetische Felder oder sonstige messbare Energiezufuhr.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das nicht nachvollziehbar. Wasser kann so nicht verändert werden und insbesondere keine Information aufnehmen, speichern oder abgeben.”

Zum Weiterlesen:

  • Das Gedächtnis des Wassers, Skeptiker 2/2008
  • Zaubertricks mit Wasser, diewahrheit am 8. Juni 2010

August 12 2010

Psychic Detectives: Was können “übersinnliche” Ermittler?

In Australien hat eine Frau mit “übersinnlichen Kräften” eine Leiche gefunden, meldet Welt-Online. Eigentlich auf der Suche nach einem vermissten Kind, habe “ein Gefühl” sie in einen Park geführt. Dort habe das Medium stattdessen den in Plastik verpackten Torso einer Frau entdeckt.

Soso. “Hellseher im Dienst der Polizei” sind nicht erst seit der gleichnamigen Spiegel-TV-Reportage ein beliebtes Medienthema (hach, wie doppelsinnig wir heute wieder sind …). Auch der Mystery-Serie “Akte X” war dieses Phänomen eine Episode wert, und zwar “Der Hellseher”.

In dieser vierten Folge der dritten Staffel verlässt sich die Polizei auf die Dienste des „Unglaublichen Yappi“, eines affektierten „übersinnlichen Ermittlers“, um einen Mörder zu finden. Im Verlauf der Handlung entspinnen sich Dialoge wie der folgende zwischen dem Ermittlungsbeamten Detective Cline und X-Akten-Agent Fox Mulder:

Cline: „Der Unglaubliche Yappi hat gesagt, die Leiche des ersten Opfers hätte man irgendwo deponiert. Und jetzt finden wir sie tatsächlich auf einer Mülldeponie.“
Mulder: „Da läuft es mir ja kalt den Rücken herunter …“

Oder:

Mulder: „Yappi hat behauptet, die Leiche würde bei einem Wasser gefunden. Eine Kirche oder eine Schule wäre in der Nähe. Und er hätte einen kurzen Blick auf den Buchstaben ,S’ oder die Zahl ,7’ erhaschen können.“
Cline: „Und was wollen Sie damit sagen?“
Mulder: „Seine Hinweise sind so vage, dass sie praktisch nutzlos sind, lassen sich aber nach dem Fund dann leicht als zutreffend interpretieren.“

Na, wenn sogar schon Para-Enthusiast Mulder skeptisch ist, dann wird an der Sache wohl nicht allzu viel dran sein? Stimmt.

„Akte X“-Drehbuchautor Glen Morgan hatte bei seinen Recherchen für „Der Hellseher“ das Buch „Psychic Sleuths“ von Joe Nickell gelesen. Nickell, ein ehemaliger Privatdetektiv, ist heute als „Researcher“ (Falluntersucher) für die amerikanische Skeptikerorganisation CSI tätig. Für „Psychic Sleuths“ koordinierte er ein Team von elf Forschern, die mehrere Monate lang den bekanntesten „übersinnlichen Ermittlern“ der USA auf den Zahn fühlten.

Die aufwändige Untersuchung erbrachte ein Null-Ergebnis – und änderte nicht zuletzt auch Glen Morgans Einstellung zu dieser Thematik grundlegend:

Man denkt ja, vielleicht ist das möglich, oder man denkt gar nicht darüber nach. Man überlegt sich: ,Die haben sich einen übersinnlich Begabten dazu geholt, und er hat eine Leiche gefunden. Wow, das ist ja unglaublich.’ Aber dann, wenn man anfängt, ein wenig genauer hinzuschauen, sich konkrete Beispiele ansieht, dann sagt man plötzlich: ,Oh, es ist eigentlich total klar, dass da gar nichts Besonderes dran ist.’”

Neben Nickell führte der amerikanische Psychologe Dr. Martin Reiser beim Los Angeles Police Department zwei eingehende Untersuchungen zum Einsatz von „Sensitiven“ durch. Er bat zwölf „übersinnlich Begabte“, ihm Hinweise auf zwei gelöste und zwei noch ungeklärte Verbrechen zu geben. Die Ergebnisse nannte Reiser schließlich  „wenig bis gar nicht hilfreich“. Für einen neuerlichen Test beauftragte er gleichzeitig zwölf „Medien“, zwölf Kriminalbeamte und zwölf Collegestudenten mit demselben Fall. Heraus kam dabei, dass die „Medien“ zwar zehnmal so viele Informationen zu Protokoll gaben als die beiden anderen Gruppen – damit aber keinen Deut mehr zur Lösung beitrugen.

Die Autoren Jane Ayers Sweat und Mark W. Durm schrieben 1993 die Police Departments von 50 amerikanischen Großstädten an. Sie wollten wissen, ob die Polizei tatsächlich die Dienste von „übersinnlichen Ermittlern“ in Anspruch nehme. Die Befragten gaben an, nie auf übersinnliche Weise Informationen einzuholen. Mehr noch: Die meisten beklagten sich bei Sweat und Durm, dass selbst ernannte „Medien“ die Ermittlungen regelmäßig behinderten.

Eine Erfahrung, die auch der Scotland-Yard-Inspektor Edward Ellison bestätigen kann: Bei Nachforschungen in allen acht Londoner Bezirken, für die Scotland Yard zuständig ist, stellte er fest, dass nicht seine Kollegen die „Sensitiven“ aufgesucht, sondern dass diese sich der Polizei aufgedrängt hatten.

Und hier bei uns? Erschien vor drei Jahren der Aufsatz „,Psychic detectives’ auch in Deutschland? Hellseher und polizeiliche Ermittlungsarbeit” in dem Fachblatt Die Kriminalpolizei. Darin heißt es unter anderem:

Die Zahl entsprechender Angebote an die Polizei (steigt) mit zunehmendem massenmedialem Interesse am betreffenden Vermisstenfall stark an … Besonders wichtig ist dem Autor in diesem Zusammenhang der Befund, dass – nach Angaben der befragten Polizeidienststellen – die entsprechenden Hellseher in keinem einzigen Falle einen brauchbaren Hinweis gegeben oder auch nur im entferntesten weitergeholfen hätten.”

Nichtsdestotrotz will sich unser australisches Super-Medium nun intensiv in die Suche nach der vermissten sechsjährigen Keisha Abrahams einschalten. Die Eltern des Mädchen wären indes gut beraten, der “Hellseherin” barsch die Tür zu weisen. Wohin der Unfug mit “übersinnlichen Ermittlern” führt, davon kann zum Beispiel die Familie Tate aus Aylesbeare, Devon (England), berichten, deren Tochter Genette 1978 spurlos verschwand.

In der Folgezeit dienten sich zahllose Hellseher und Wahrsager den Eltern an, mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten das Mädchen ausfindig zu machen. Ihr Vater John Tate sagte später dazu aus (zit. nach Lynne Kelly: „The Skeptic’s Guide to the Paranormal“):

Es kamen viele Leute zu uns, die uns einen Hoffnungsschimmer gaben. Am Anfang  griffen wir nach jedem Strohhalm. Doch die Versprechungen der ,Medien’ erwiesen sich allesamt als Lügengespinste. Sie weckten nur falsche Hoffnungen.
Manchmal glaubten wir wirklich, wir hätten eine Spur. Die Vorschläge und Ideen der „Sensitiven“ nagten an unserem Verstand. Doch immer, wenn es konkret wurde, führten die angeblichen Spuren nirgendwo hin – außer in tiefste Verzweiflung.

Wir merkten bald, dass die Hellseher, die vor unserer Haustür standen, so eine Art „Vertreter-Typen“ waren, die, wenn sie sich erst einmal eingeschlichen hatten, nicht mehr so einfach wieder fort gingen. Es waren Menschen mit übersteigertem Selbstbewusstsein, die sich unbedingt durchsetzen wollten.
Sie trampelten rücksichtslos auf unseren Gefühlen herum, die ohnehin schon an der Grenze der Belastbarkeit waren. Innerhalb kürzester Zeit versetzten sie uns seelisch völlig in Aufruhr und  der Einfluss dieser Leute begann sich äußerst unangenehm auszuwirken. Selbst wenn wir es nicht wollten – sie waren immer da, auf unserer Türschwelle, und erwarteten, dass sie mit offenen Armen empfangen würden.

Wir merkten bald, dass die Tätigkeit der ,übersinnlich Begabten’ nicht nur unsinnig und lächerlich war – sie war übel und bösartig. Als wir erst einmal in diesem Netz der Täuschungen –  und genau darum handelte es sich – gefangen waren, war es für uns sehr schwer, uns wieder frei zu kämpfen. Nichts von alledem führte jemals zu irgend etwas, außer zu immer neuen Enttäuschungen und Verwirrungen. Die Hellseher und Wahrsager hatten uns mit ihren Suggestionen zu Sklaven und Abhängigen gemacht.“

Zum Weiterlesen:

August 06 2010

“The Reaping”: Ein Skeptiker trifft Hilary Swank

Gut, rein von der Optik her kann man es Regisseur Stephen Hopkins nicht verdenken, dass er sich für Sweety Hilary Swank als Hauptdarstellerin für “The Reaping - Die Boten der Apokalypse” entschieden hat. Und gegen Joe Nickell, den Senior Research Fellow der amerikanischen Skeptiker-Organisation CSI.

Inhaltlich indessen gereicht diese Wahl dem Hollywood-Streifen entschieden zum Nachteil. “Dumm” und “lächerlich schlecht” fand zum Beispiel USA Today den Film, der morgen (Samstag, 7. August) um 22.05 Uhr bei RTL läuft. Andere Kritiken fielen nicht wesentlich freundlicher aus.

Als “another bad supernatural thriller“ (Washington Post) handelt “The Reaping” von der Professorin Katherine Winter, die “vermeintliche göttliche Wunder als Täuschungen enttarnt” (zit. nach Wikipedia). Soweit stimmt die fiktive Biografie der Protagonistin noch weitgehend überein mit dem real existierenden Joe Nickell, nach eigenen Angaben „the world’s only full-time professional paranormal investigator”.

Der Literaturwissenschaftler und ehemalige Privatdetektiv untersucht seit mehr als vier Jahrzehnten vermeintlich “übersinnliche” Phänomene. Zum Thema “göttliche Wunder” (wie etwa blutende und weinende Madonnen-Statuen, Stigmata, Visionen, unverweste Leichname etc.) hat er das Buch “Looking for a Miracle” geschrieben – und eben dieses weckte das Interesse von Hollywood-Produzentin Kate Garwood, die es später ihrer Hauptdarstellerin Hilary Swank als Pflichtlektüre verordnete.

Natürlich gelangt Prof. Katherine Winter im Verlaufe von “The Reaping” zu der Pflichterkenntnis aller populär-kommerziellen Machwerke: “dass sie mit ihrem wissenschaftlichen Ansatz nicht weiterkommt” (zit. nach RTL). Am Ende findet sie in einer Kleinstadt, die von den zehn biblischen Plagen heimgesucht wird, sogar zu ihrem verlorenen Glauben zurück. Für Nickell eine inakzeptable Wendung der zunächst ganz passabel klingenden Story:

Exasperated, I said that asking me to assist with such a drama was rather like suggesting I stick my foot out and shoot a bullet through it. I have since adopted a more resigned attitude.”

Dennoch wird Nickell schließlich zu den Dreharbeiten eingeladen und lernt dabei auch Oscar-Preisträgerin Hilary Swank kennen:

I liked her immediately, and we discussed our respective philosophies. Without speaking for her, I would think she might describe herself as being more ,spiritual’ than either ,religious’ or ,skeptical’. As for me, I told her, my work has increasingly convinced me that we live in a real, natural world, one that science is best suited to explain.

As we parted, Lawrence Elman and I went out one door of the building and Hilary (and a couple of others who had joined her) went out another. As it happened, however, our respective walkways funneled us all to the same exterior stairway, and Hilary feigned surprise at seeing me again. With a grand gesture, and a knowing look, she exclaimed, ,Coincidence??!!’”

Zu filmischen Ehren gelangt Nickell letztendlich zwar nur in einer begleitenden Doku-DVD über die biblischen Plagen. Nichtsdestotrotz zieht er ein halbwegs positives Fazit:

As for me, my Hollywood career seems already in decline, as I return to my job of looking for a miracle. Beyond the illusory apparitions, fake weeping icons, bogus stigmatics, and sadly ineffective “healings,” I am still looking—and so far finding a very real, very natural world.”

Nickells Erfahrungsbericht “The Making of The Reaping: Behind The Scenes of a Supernatural Thriller” gibt’s hier.

July 16 2010

Homöopathie ist nicht Naturheilkunde

Angesichts der hohen Zustimmungsquoten für die Homöopathie stellt sich die Frage, wozu sich die Befragten eigentlich zustimmend geäußert haben. Nach einer  –  übrigens im Auftrag von Homöopathen durchgeführten- Allensbach-Umfrage wissen nur 17 % der Bevölkerung, was Homöopathie ist. 74 % dagegen halten Homöopathie für Naturheilkunde oder glauben, dabei würden ausschließlich Pflanzenextrakte angewandt. Sie würden vermutlich staunen, welche  Inhalts- und Grundstoffe da tatsächlich verschüttelt und “potenziert” werden. Denn entgegen einem populären Irrtum nennt die homöopathische Literatur neben netten Pflänzchen auch so kuriose Stoffe wie Arsen, Plutonium, Polarstern, Vakuum, Speichel tollwütiger Hunde und Eiterflüssigkeit aus dem Krätzbläschen.

Auch Politiker und sogar Verbandsfunktionäre der Ärzteschaft, wie der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, gehören entweder auch zu den 74 % Unwissenden oder nutzen diese Unwissenheit offenbar aus, um für Homöopathie zu werben. Pseudowissenschaft ist also nicht nur in der Politik, sondern selbst in den Verbänden der Ärzteschaft, Apotheker und Krankenkassen längst hoffähig geworden.

Der Spiegel-Artikel hat heilsam gezeigt, dass der Kaiser Homöopathie nackt ist. Die Methode ist theoretisch und auch praktisch durch empirische Untersuchungen widerlegt.  Nicht die Fakten, sondern die jahrzehntelange Lobbyarbeit der homöopathischen Industrie und ihrer ideologischen Helfer sind der Grund für die Verbreitung der Homöopathie.

Edzard Ernst, der im englischen Exeter die weltweit erste Professur für Komplementärmedizin  innehatte, hält die “wissenschaftlichen” Vertreter der Homöopathie nicht einfach für verblendet oder realitätsfremd. Er ist sich im Spiegel sicher: “Viele lügen wie gedruckt” und “nutzen sie ihre Kenntnis der Wissenschaft, um die Leute hinters Licht zu führen”.

Die aktuelle öffentliche Diskussion ist gut, auch wenn einige auf ihr baldiges Ende hoffen mögen.  Sie wird helfen, die verschrobene und überholte Ideologie der Homöopathie aus dem Nebel der Marketingsprüche ins Licht zu bringen.

June 19 2010

Wahrsager haben keinen Anspruch auf Honorar

Über ein interessantes Gerichtsurteil berichtet Rechtslupe:

"Das Versprechen einer Lebensberatung, die sich auf die magischen Kräfte gelegter Karten gründet, ist auf eine im Rechtssinn unmögliche Leistung gerichtet. Ein Honoraranspruch für diese Leistung besteht nicht, entschied jetzt das Oberlandesgericht Stuttgart."

Im Urteil 7 U 191/09 hat das Gericht in Stuttgart über den Fall einer Kartenlegerin entschieden, die per Telefon "Lebensberatung" macht. Auch wenn die Wahrsagerin nicht versprochen hatte, dass das was sie "gesehen" hatte auch eintreten wird, hat sie keinen Anspruch auf ein Honorar:

"Ein Vergütungsanspruch besteht allerdings nicht, weil die von der Klägerin versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind, so dass der Anspruch auf die Gegenleistung entfällt (§§ 326 Abs. 1, 275 Abs. 1 BGB)."

Auch die übliche Ausrede, dass der Kunde ja zufrieden war, zählt hier nicht:

"Mit dem Argument, der Leistungsempfänger habe das bekommen, was er wollte, auf den von ihm erhofften Erfolg komme es nicht an, kann die Unmöglichkeit der Leistung nicht verneint werden. Zwar kennt der die Leistung begehrende Vertragspartner in der Regel die ablehnende Haltung der Wissenschaft und weiß auch, dass die Mehrheit der denkenden Bevölkerung solche Kräfte für Aberglauben hält. Die Kenntnis von der fehlenden Anerkennung reduziert die versprochene Leistung aber nicht zu unverbindlichen Beratungen. Inhalt und Qualität der Leistung werden durch den zugesagten Einsatz magischer Kräfte bestimmt. Dies zeigt sich auch in der Preisgestaltung. Ohne ein besonderes Leistungsversprechen würde der Vertragspartner - wie auch hier - keine beachtlichen Zahlungen leisten wollen. Seine Zahlungsbereitschaft besteht nur, weil er an die versprochene Wirkung magischer Kräfte glaubt. "

Und es geht nicht nur ums Kartenlegen:

"Objektiv unmöglich ist eine Leistung, wenn sie nach den Naturgesetzen oder nach dem Stand der Wissenschaft und Technik nicht erbracht werden kann1. Insbesondere ist in Rechtsprechung und Literatur anerkannt, dass ein Vertrag, in dem sich eine Partei zum Einsatz magischer Kräfte verpflichtet, mit denen Lebensumstände positiv beeinflusst werden sollen - zum Beispiel Partnerschaftsprobleme gelöst werden sollen - auf eine unmögliche Leistung gerichtet ist, weil solche Kräfte nicht existieren. Das Gleiche gilt für die Übernahme einer Verpflichtung, die darauf hinausläuft, auf astrologischer Grundlage - dem Stand der Sterne - zu beraten und Weisungen für die Zukunft zu erteilen."

Schön zu sehen, dass hier auch einmal ein Gericht explizit feststellt, dass der ganze Astrologie- und Wahrsagerquatsch "objektiv unmögliche" Leistungen sind und das man für das "Erbringen" solcher unmöglicher Leistungen auch kein Geld bekommen soll. Eigentlich wäre das ja selbstverständlich - aber wenns um Esoterik & Co geht, ist man ja was Recht und Konsumentenschutz angeht seltsam zurückhaltend.

Ich bin ja jetzt kein Rechtsexperte - aber was heisst das nun für die Praxis? Kann nun jeder, der sich von Astrologen, Kartenlegern etc "beraten" lässt mit Berufung auf dieses Urteil sein Geld zurück verlangen? Was machen die großen Anbieter wie Questico oder AstroTV? Denn das was dort passiert ist ja nun genau das, was im Stuttgarter Urteil angesprochen wurde. Niemand der "Berater" die dort ihre Dienste anbieten hätte demnach Anspruch auf Honorar. Aber vermutlich wäre es naiv anzunehmen, dass sich nun grundlegend etwas ändern wird. Die Esoteriker werden wohl weiter Wege finden, der hilfesuchende Kundschaft das Geld aus der Tasche zu ziehen...



Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:

Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff.

May 23 2010

Der Tod der Parapsychologie

“Parapsychology: Dead or Alive?” lautet die Titelschlagzeile der aktuellen Ausgabe des englischen Magazins The Skeptic. Im Innenteil stellt der US-Psychologe Ray Hyman den Totenschein für die Parapsychologie aus. Seinen Beitrag “The Demise of Parapsychology” fasst Dr. Martin Mahner in der aktuellen Ausgabe der GWUP-Zeitschrift Skeptiker auf Deutsch zusammen:

Hyman hat die Parapsychologie jahrzehntelang kritisch begleitet und wird auch von Parapsychologen als Diskussionspartner geschätzt. Nun kommt er jedoch zu dem Schluss, dass es an der Zeit sei, den Tod dieses 160 Jahre alten Unterfangens festzustellen.”

 Wieso? Wir Skeptiker haben stets darauf hingewiesen, dass die “Erkenntnisse” der Parapsychologen

  • Vorhandenes nicht erklären, dafür aber
  • Nichtvorhandenes zu erklären versuchen,
  • im Widerspruch zu gesicherten Erkenntnissen stehen und
  • kein theoretisches Gerüst vorweisen können, das auch nur unter den Parapsychologen selbst allgemein anerkannt wäre.

Ursprünglich (im 19. Jahrhundert) war die Parapsychologie angetreten, wissenschaftliche Belege für die Existenz spiritueller/okkulter Phänomene zu erbringen, um die bereits damals skeptische wissenschaftliche Gemeinschaft von der Existenz von Psi zu überzeugen. Das galt bis vor kurzem weiterhin als ihr Hauptziel.

In den vergangenen zehn Jahren seien jedoch immer mehr Parapsychologen zu der Ansicht gelangt, dass dieses Ziel nicht zu erreichen ist, schreibt Hyman. Diese Neoparapsychologen, wie Hyman sie nennt, gäben zu, dass die Beleglage für Psi nicht nur widersprüchlich und flüchtig ist, sondern auch anerkannte wissenschaftliche Standards nicht erfüllt.

Während dies früher als Manko beklagt worden sei, behaupteten die Neoparapsychologen nun, dass Psi wissenschaftliche Standards grundsätzlich nicht erfüllen könne. Sie argumentieren, es gehöre zur Natur von Psi, eben nicht mit wissenschaftlicher Methodologie greifbar zu sein. Mit der daraus abgeleiteten Forderung, die wissenschaftliche Methode müsse aufgegeben beziehungsweise den Anforderungen der Parapsychologie angepasst werden, sei das ursprüngliche wissenschaftliche Ideal der Parapsychologie abhanden gekommen.

Wenn die Neoparapsychologen heute also das exzentrische Verhalten parapsychologischer Ergebnisse als Hinweis deuten, dass diese Unreplizierbarkeit, Unregelmäßigkeit und Flüchtigkeit zur Natur von Psi gehöre, dann gestehen sie damit das Scheitern der Parapsychologie ein. Mit ihrer Forderung, die wissenschaftlichen Methoden zu ändern beziehungsweise aufzuweichen, um Psi zur Anerkennung zu verhelfen, wenden sie sich von der Wissenschaft ab und kehren zurück zum Okkultismus.

Man könne, so Hyman, in diesem Sinne also nur noch zu dem Schluss kommen, dass die Parapsychologie nach 160 Jahren das Zeitliche gesegnet hat.

Ergänzt wird Mahners Review des Hyman-Aufsatzes “Der Tod der Parapsychologie” durch den Themenartikel “Von Schafen und Ziegen – Der Sechste Sinn und die unbewusste Wahrnehmung” von Wolfgang Hell, Professor für Angewandte Psychologie an der Uni Münster und Zweiter Vorsitzender des GWUP-Wissenschaftsrats. In seiner Einleitung schreibt Hell:

Wir können von den zum Teil in der Parapsychologie erforschten Phänomenen eine Menge über die menschliche Kognition lernen, was auch Mainstream-Psychologen, -Mediziner, -Neurophysiologen und -Biologen interessieren sollte. Die Beschränkung von Parapsychologen auf eine einzige Erklärung ist es, die mich stört. Die Parapsychologie könnte ein so spannendes Gebiet sein, das auch in der Mainstream-Wissenschaft mehr Beachtung finden würde, wenn sie diese Beschränkung aufgäbe und ernsthaft nach naturalistischen Erklärungen für ihre Befunde und Berichte suchen würde.”

Wie das geht und welche hoch interessanten Erkenntnisse man tatsächlich aus der seriösen Beschäftigung mit Phänomenen wie dem “Sechsten Sinn”, “Gedankenlesen” oder “Extrasensorischen Wahrnehmungen” gewinnen kann, steht ausführlich im Skeptiker 2/2010 zu lesen, der im Juni erscheint.

 

April 28 2010

High mit Hexensalbe?

 Hexen- und Teufelswahn im Harz” – Selbst heute noch regen sich besorgte Christen über spezielle Bräuche in der “Walpurgisnacht” auf. Doch vermutlich ist dieses wilde Treiben vergleichsweise harmlos gegenüber mittelalterlichen Drogen-Trips beim “Hexensabbath”. Ein Gespräch mit dem Lebensmittelchemiker und GWUP-Vorstandsmitglied Dr. Jochen Bergmann.

 

Herr Dr. Bergmann, in der Walpurgisnacht fliegen die Hexen auf einem Besenstil zum Blocksberg, um dort eine Nacht lang zu tanzen und wollüstigen Sex mit dem Teufel zu haben. Das klingt wie ein Drogen-Trip. Könnten solche Vorstellungen vielleicht tatsächlich unter dem Einfluss halluzinogener Substanzen entstanden sein?

Das ist sogar sehr wahrscheinlich, wenn man die verwendeten Pflanzen betrachtet.
Obwohl Hexensalben-Rezepte – hier insbesondere die klassische „Flugsalbe“ – in verschiedenen Varianten kursierten, enthielten sie meist Teile einer oder mehrerer Pflanzen mit berauschender Wirkung, wie etwa Bilsenkraut, Tollkirsche, Alraune oder bittersüßer Nachtschatten. Auch wenn wir erst seit einigen Jahrzehnten die chemischen Verbindungen kennen, die für die Wirkung verantwortlich sind: Ihre Wirkung ist schon seit Jahrhunderten bekannt und der Kreis ihrer Anwender war nicht auf Hexen beschränkt.
Durch unterschiedliche Rezepte, Herstellungsverfahren und natürliche Schwankungen der Inhaltsstoffe gibt es zum Teil große Unterschiede in den Schilderungen der Wirkung von Hexensalben. Einige Hexensalben mögen vielleicht wirkungslos gewesen sein und bei anderen vermischen sich authentische Schilderungen mit Übertreibungen und Mythen. Einen wahren Kern aber haben die die Schilderungen von „Hexenflug und Ausschweifungen“ allemal – nur fand dies im Kopf der Hexen statt.

Könnten Sie eine Salbe zusammenbrauen, die eine solche Wirkung hat? Was wäre da zum Beispiel drin?

Eine Hexensalbe lässt sich relativ einfach herstellen. In eine Salbengrundlage nach Wahl werden je nach Rezept verschiedene Pflanzen eingearbeitet. Neben Inhaltsstoffen, die Geruch oder Konsistenz verbessern sollen, gehören in eine echte Flugsalbe auch eine oder mehrere der oben genannten Pflanzen. Mit ein wenig botanischem Wissen oder spezialisierten Naturführern lassen sich diese Zutaten selbst finden. Und zur Verarbeitung zu einer Salbe benötigt man dann nur ein wenig handwerkliches Geschick.

Der Volkskunde-Professor Will-Erich Peukert unternahm in den 1950-er Jahren nach eigenen Angaben einen spektakulären Selbstversuch mit einer Hexensalbe. Er schrieb später darüber: “Vor meinen Augen tanzten zunächst grauenhaft verzerrte menschliche Gesichter. Dann plötzlich hatte ich das Gefühl, als flöge ich meilenweit durch die Luft. Der Flug wurde wiederholt durch tiefe Stürze unterbrochen. In der Schlußphase schließlich das Bild eines orgiastischen Festes mit grotesken sinnlichen Ausschweifungen.” Auch wenn das übertrieben klingt und eher an einen Bilderbuchhexenritt erinnert: Könnte man so ein Experiment nicht einfach mal wiederholen?

Ja, aber das ist nicht empfehlenswert. In den frühen Zeiten der Naturstoffforschung waren Selbstversuche mit pflanzlichen Drogen keine Seltenheit. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich bei den Wirkstoffen der genannten Pflanzen um hochpotente Verbindungen mit erheblichem Schadenspotenzial handelt. Anders als bei bekannten Genussdrogen wie Nikotin, Ethanol oder Koffein ist die Dosierung der Wirkstoffe bei Hexensalben nicht einfach und das Fenster zwischen mildem Rausch und Höllenritt sehr schmal.
Die Anwendung irgendeiner Hexensalbe ist vergleichbar mit der Verabreichung eines halben Liters eines alkoholischen Getränkes mit unbekanntem Alkoholgehalt: Wer Bier bekommt, dem droht kein Ungemach. Wer den Schnaps erwischt, riskiert eine Alkoholvergiftung.

Im Internet und in diversen aktuellen Hexenbüchern kursieren zahlreiche Rezepte für Hexensalben – sind die alle wirkungslos? Was kann da realistischerweise passieren, an Wirkungen und auch an Nebenwirkungen?

Die im Internet und der Literatur für „moderne Hexen“ kursierenden Anleitungen sind ein Sammelsurium verschiedener Rezepte für verschiedene Zwecken wie Heilung, Verhexung und Schutz.
Die Rezepte für Flugsalben lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Die einen enthalten gar keine Rauschdrogen oder nur sehr geringe Anteile. Von diesen geht hinsichtlich der Rauschwirkung keine Gefahr aus, allerdings wird sich auch kein echtes Fluggefühl einstellen. Die andere Gruppe der Rezepte schreibt Rauschdrogen in einer Menge vor, die bei normaler Anwendung eine Rauschwirkung erwarten lässt. Hier kann es bei unerfahrenen Anwendern schnell zu einer Überdosierung kommen, denn sie können die zu erwartende Wirkung nicht so einfach in „mild“ und „wild“ unterteilen. Daher ist von leichtfertigen Versuchen mit Flugsalben abzuraten.

 Zum Weiterlesen:

  • Gisela Völger/Karin von Welck (1987): Rausch und Realität - Drogen im Kulturvergleich. Rowohlt, Reinbek

 

March 09 2010

Buchtipp: Warum die Uhr stehenblieb, als Opa starb

“Warum die Uhr stehenblieb, als Opa starb” war nicht nur das Motto des Publikumstages bei der GWUP-Konferenz 2009 in Hamburg – sondern ist auch der Titel meines neuen Buches, das gerade erschienen ist. Untertitel: “Merkwürdige Zufälle und unerklärliche Phänomene”.

Warum geht’s? Natürlich ums Paranormale. Und um Skeptizismus. Also um beides.

Damit das funktioniert und wirklich jeder das Buch in die Hand nehmen kann, weist jedes Kapitel eine dreiteilige Struktur auf:

  • Die “Nachtseite” beschreibt das jeweilige Thema/Phänomen aus Sicht der “Gläubigen” und der sogenannten “Grenzwissenschaften”
  • Im “Dämmerlicht” werden dann persönliche Erfahrungen und Erlebnisse erzählt, wie sie sich zum Beispiel in Online-Foren und Diskussionsboards finden. Als kurze Stories, in der Ich-Perspektive, aber in eine lesbare Form gebracht, also umgeschrieben und zugespitzt. So ähnlich wie die “urban legends” in den Büchern von Prof. Brednich. Nur aus dem Bereich des “Übersinnlichen”. Und hoffentlich etwas besser geschrieben …
    Die Geschichten handeln von Todesomen, Geistern, okkulten Praktiken, PSI bei Tieren, Vorahnungen, unsichtbaren Helfern und solchen Dingen.
  • Und dann gibt’s noch die “Tagseite”. Das ist der kritische/skeptische Standpunkt. Also Erklärungen, soweit möglich.

Mal schauen, ob das so hinhaut.  

Etwa die Sache mit der Uhr. Warum bleibt manchmal die Uhr plötzlich stehen, wenn ein geliebter Mensch stirbt?
Sogar der berühmte Physiker Richard Feynman erlebte dieses Phänomen beim Tod seiner ersten Frau. Er sah, dass ihr Wecker auf dem Tisch neben ihrem Krankenhausbett genau zu der Minute stehenblieb, in der seine Frau laut Sterbeurkunde gestorben war.
Diese seltsame Übereinstimmung ließ dem genialen Naturwissenschaftler keine Ruhe. Er begann nachzuforschen. Und im Nachhinein stellte Feynman fest, dass der Arzt die Todeszeit, die in der Sterbeurkunde angegeben war, von eben jenem Wecker am Krankenbett abgelesen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war die Uhr aber schon lange stehengeblieben, mindestens eine halbe Stunde zuvor.

Ist das die einzige Erklärung für dieses Phänomen? Natürlich nicht. Genauso wenig, wie es eine gemeinsame Ursache für sämtliche Autounfälle gibt.

Zum Weiterlesen:

February 03 2010

P.M. – Das Peinliche Magazin

 Das waren noch Zeiten, als Peter Moosleitners interessantes Magazin uns Kids erklärte, warum Flugzeuge fliegen können und woraus das Universum besteht. Lang ist’s her.

Heute steht das Kürzel P.M. wohl bestenfalls noch für „Pseudo-Magazin“. Traurig, dieser Abstieg zum befremdlichen Esoterik-Blättchen, das mit Astrologie, Intelligent Design, Verschwörungen und Wassergedächtnis wedelt. Anscheinend sucht das Peinliche Machwerk seinen neuen Platz irgendwo zwischen Esotera und dem Engelmagazin – falls es nicht verdientermaßen vorher eingestellt wird. Denn wer braucht sowas?

Zugegeben: Als Autor für P.M. zu arbeiten, darf man sich wohl recht komfortabel vorstellen: Einfach fröhlich drauflos fabulieren und so tun, als wäre jeder Satz wunderbar neu und von Nobelpreisträgern beglaubigt, den Kenntnisstand eines jeden durchschnittlichen Wikipedia-Lesers zum Thema schlichtweg ignorierend – und damit durchkommen.

Nehmen wir also wider besseres Wissen die aktuelle Februar-Ausgabe zur Hand, und sei es nur in banger Erwartung der Eskapaden journalistischer Titelstrategen. Und tatsächlich – wenigstens in diesem Punkt werden wir nicht enttäuscht.

„Die verborgenen Phänomene der Geschichte“ blurbt es vom Cover. Und da verabschieden sich auch schon die ersten grauen Zellen, denn die Storys, mit denen wir hier belästigt werden, gehören zur besonders hirnfetzenden Sorte. Nein, ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich geritten hat, für dieses Grützeheft auch noch richtiges Geld hinzulegen.

Auf elf Seiten im Innenteil entfaltet sich ein ums andere hübsche Beispiel für die Irrwege gestresster Chefredakteure und Verlagskaufleute, die unter Auflagendruck auch noch den allerletzten Schmu aus dem Bereich des „Wundersamen“ irgendwie verhökern müssen. Neben Schenkelklopfern vor dem Herrn wie „Das Sternenkind aus Mexiko“ oder „Das Volk der fliegenden Wagen“ qualifiziert sich insbesondere der Beitrag „Das Wundertuch von Guadeloupe“ durch seine bloße Existenz für ein hiesiges Treatment.

Und so geht’s los:

„Die aztekische Schrift Nican Mopohua (16. Jh.) berichtet von einem unglaublichen Ereignis, das sich im Dezember 1531 in Mexiko zugetragen hat. Damals kam der aztekischstämmige Juan Diego aus Tolpetlac am Hügel Tepeyac vorbei, der heute die Wallfahrtsstätte Guadalupe ist. Von der Kuppe her hörte er Musik und Gesang, und als sie verstummt waren, erklomm er den Hügel und sah sich einer bildschönen weiblichen Gestalt gegenüber.“

Na, wer  mag das wohl gewesen sein? Genau, die Jungfrau Maria.

Eigentlich auch durchaus nachvollziehbar. 1531 – das bedeutet: Zehn Jahre nach der Eroberung Mexikos durch Hernando Cortez. „Die Spanier und Portugiesen sind im Begriff, mit ihrer überlegenden Kriegstechnologie Süd- und Mittelamerika brutal zu unterwerfen, um den Reichtum des Kontinents an sich zu reißen – und diesen zugleich für das Christentum zu gewinnen“, lesen wir zu dieser Epoche bei der Theologin und Marienkult-Kritikerin Monika Hauf. „Ein hoffnungsloses Unterfangen, so sollte man denken. Denn was sonst außer Furcht könnte die Indios dazu veranlassen, die Religion der Eroberer anzunehmen?“

Tja, was sonst? Vielleicht ein plötzliches Eingreifen der Himmelskönigin herself? Und genau das geschieht auch prompt. Beziehungsweise widerfährt dem besagten Indio Juan Diego:

„Ihm erschien Maria und beauftragte ihn, vom Bischof in Mexiko-Stadt die Errichtung einer Kirche auf einem Hügel nahe der Stadt, auf dem zuvor ein Heiligtum der Azteken-Göttin Tonantzin stand, zu erbitten”,

lesen wir in einem katholischen Heiligenlexikon.

“Drei Tage später erschien Maria dem Indianerjungen Juan ein zweites Mal, auf dem schneebedeckten Hügel wuchsen Rosen, Juan Diego sammelte sie und brachte sie in seinem Mantel zum Bischof; als er den Mantel öffnete, um dem Bischof die Rosen zu geben, war auf dem Mantelfutter das Gesicht von Maria zu sehen. Der Bischof erkannte darin das Bild der Jungfrau von Guadelupe, die in Spanien verehrt wird. Nun überzeugt, ließ er die Kirche bauen.“

Eine eher sonder- als wunderbare Geschichte, sollte man meinen.

Aber nicht für einen P.M.-Autoren. Kein Hauch von Skepsis durchwirkt seinen Doppelseiten-Sleaze über das Bildnis der heiligen Maria auf Juan Diegos Mantel, das heute noch existiert und in der Basilika von „Nuestra Senora de Guadeloupe“ in Mexiko City zu sehen ist. P.M.-like ist dies selbstredend alles höchst wundersam, verblüffend, phänomenal und obendrein vollkommen unerklärlich.

Natürlich hätte man zumindest darauf hinweisen können,

  • dass der damalige Ortsbischof, Juan de Zumárraga, das angebliche Marienwunder oder einen „Seher“ namens Juan Diego in den von ihm erhalten gebliebenen Unterlagen mit keinem Wort erwähnt. Nirgendwo.
  • Oder dass ausgerechnet der Abt der Basilika von Guadeloupe, Guillermo Schulemburg, im Jahr 1996 die ganze Geschichte zum historischen Mythos erklärt hat – und dass besagter Juan Diego wohl nie existiert hat.
  • Oder dass die aztekische Legende, mit welcher der P.M.-Autor in seine abstruse Story einsteigt, sich möglicherweise gar nicht auf die katholische Maria bezieht, sondern die aztekische Erdgöttin Coatlicue meint, mit deren Namen die Spanier aber nichts anzufangen wussten und deshalb  „Guadeloupe“ daraus machten.
  • Oder dass schon 1556 der Franziskanerpater Francisco de Bustamante einen Klostermaler namens Marcos als Urheber des „himmlischen“ Bildnisses benannte. Und dass dieses Bild im Laufe der Jahrhunderte mehrfach massiv manipuliert worden ist, etwa durch nachträgliches Hinzufügen einer Krone auf dem Haupt der Jungfrau sowie von Strahlen und Sternen auf dem Mantel etc.

 Und so weiter, und so fort.

All das hätte man in dem P.M.-Artikel „Das Wundertuch von Guadeloupe“ zumindest am Rande mal erwähnen können. Andererseits wäre das nun wiederum extrem untypisch für das Para-Müll-Magazin gewesen.

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